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Mitbringsel

This song is by Ulrich Roski and appears on the compact cassette Schwoche sprach zu seiner Schwochen ... (1986).

Spoken prose:

Also ick will Ihnen ma wat sagen: Ick habe ja nischt gegen kleine Geschenke, ne. Wenn man
Irgendwo eingeladen ist, dann kann man ruhig ne Kleinigkeit mitbringen. Bloß wat? Früher so in de
Fuffziger Jahre da hieß et immer: Paar Strümpfe kann ne Frau immer jebrauchen. Und die brachte
Man dann mit und überreichte sie zur Begrüßung mit einem freundlichen "Statt Blumen!". Det kann
Man natürlich heute nich mehr machen. Aber wat soll man nu mitbringen? Die meisten haben ja schon
Alles. Am besten würde man Bargeld schenken, kann sich jeder selber koofen, wat er nich braucht.
Aber det traut sich ja doch keener, höchstens bei Kindern. Die können sich ja auch noch richtig freuen
Über jeden Hundertmarkschein.
Aber die neueste Masche von Zümpels nu, ja, die is ja nu wirklich det allerletzte! Die kommen neulich
Zu uns, haben nischt in der Hand, keene Blumen, keene Strümpe, nur ne Plastiktüte. Und die packt
Zümpel denn aus. Als wennet sonst wat wäre. Es sind drei Flaschen Wein drin. Keen Etikett druff,
Keen Stanniol überm Korken, sehn also nach nischt aus. Aber Zümpel tut janz jeheimnisvoll. "Die sind
Von einem janz kleenen Winzer" schwärmt er. "Als wir letztet Jahr in de Toskana warn, da hamwa den
Janz zufällig entdeckt. Toller Tropfen. Aber den Wein trinken wir nich heut Abend, der muss sich erst
Mal beruhigen." "Nein, bloß nich" fällt seine Frau ein, "den müsst ihr trinken, wenn ihr ganz allein seid,
In einer stillen Stunde."
Na, auf die stille Stunde is jeschissen. Als sie sich abends verabschiedet haben, mach ich natürlich
Sofort die Flasche auf, um zu testen, wat die uns da anjedreht haben. Kaum is der Korken raus, wird
Mir klar, warum Zümpel nich wollte, dass wir an diesen Abend diesen Wein trinken. Ick sage Ihnen,
Amselfelder Stierblut is dagegen der reinste Mouton Rothschild. Paar Tropfen sind mir über ein übrig
Gebliebenes Partyhäppchen jeloofen - der jekochte Schinken war im Nu wegjeätzt! Na, ick füll rasch
Die Flasche mit Wasser uff und dreh den Korken wieder rin, weil ick weeß, nächste Woche sind wir
Eingeladen, bei Schlohmeiers, und die freuen sich immer über ne kleine Überraschung.
Als Schlohmeier nächste Woche die Plastiktüte bei mir sieht, fragt er verstört "Ihr wart doch wohl nich
Letzten Sommer in der Toskana?" Na, ick schalte schnell und frag beleidigt zurück "Wieso Toskana,
Wir warn in Andalusien. Und da sind wir durch Zufall auf einen janz kleinen Winzer gestoßen."
"Verstehe" meint Schlohmeier schroff. "Jib schon her." "A-aber ihr dürft ihn nich heute Abend trinken!"
Ruft meine Frau ein bisschen zu hastig. Schlohmeier winkt ruhig ab "Nee, nee, den trinken wir in einer
Stillen Stunde, wenn wir janz allein zu zweit sind." Na, wir sind natürlich erleichtert, obwohl mir
Schlohmeier irgend wie ein bisschen komisch vorkommt. Wir haben auch dann den janzen Abend
Nich weiter darüber jesprochen.
Letzte Woche warn wir nu bei Zümpels eingeladen. Schlohmeiers auch. Und wat soll ick Ihnen sagen:
Schlohmeier kommt mit ner Plastiktüte. Zümpel kuckt mich an, ick kuck Schlohmeier an und der sagt
Frech: "Wat kiekt Ihr denn so? Verbrecher kehrn immer zum Tatort zurück. Und dieses Getränk hier
Kam von Zümpel." "Stimmt gar nich", schmollt Zümpel. "So, also nu mal ehrlich, Zümpel, woher haste
Nu det Zeug?" Es stellte sich dann heraus, er hat den Wein von einem Kunden, und der hatte ihn von
Seinem Chef, weil dieser Chef eine Cousine hat, die mit einem Winzer verlobt ist, aber weder aus der
Toskana, noch aus Andalusien, sondern aus Heppenheim an der Bergstraße. Aber det klingt natürlich
Nach nischt.
Zümpel hat dann det Zeug innen Ausguss jeschüttet. Schlohmeier gab noch seinen Segen dazu mit
Der alten Klempnerweisheit 'Halt dein Rohr sauber'. Und recht hat er! Dieses Weinchen frisst sich
Leicht durch jede Verstopfung. Ma ehrlich, n Paar Strümpfe für die Hausfrau hätten das mit Sicherheit
Nich jeschafft.

Written by:

Ulrich Roski