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Demokratische Rechte

This song is by Ulrich Roski and appears on the compact cassette Schwoche sprach zu seiner Schwochen ... (1986).

Spoken prose:

Also ick will Ihnen ma wat sagen: Bei uns in der Bäckerei wird hart gearbeitet, von morgens bis
Abends, da gibt's kein Pardon. Und wat ick mir deshalb überhaupt nicht nehmen lasse, das ist mein
Wohlverdientes Wochenende. Da gehen wir dann alle raus in unsere Laube im Kleingartenverein
'Miese Scholle' und spannen aus. Und wie wir da neulich so gemütlich sitzen und Kaffee trinken,
Kommt plötzlich Zümpel rein. Zümpel ist der Vorsitzende von unserm Verein, der kommt rein und
Brüllt: "Wir müssen hier alle weg, auf unsere Grundstücke kommen Hochhäuser ruff." Und er hätte
Auch den Flächennutzungsplan eingesehen. "Ach", sagick, "Zümpel nu regder ma nich uff, setzder
Hin und iss erst ma'n Stück Streuselkuchen." Nee, sagt er, will er nich, dazu ist er zu uffjeregt. Und
Denn stellt er sich stramm hin und donnert: "Wir müssen uns wehren, wir müssen unsere
Demokratischen Rechte wahrnehmen!"
Na, also von demokratische Rechte haltick ja nu schon mal gar nischt, nich. Andererseits hab ick ja
Ooch nischt gegen Hochhäuser. Ick bin ja ooch fürn Fortschritt. Aber warum nu gerade bei uns? Die
Könnten die Dinger ja auch woanders hinstellen. Zum Beispiel auf die Kolonie 'Wiesengrund', ja, die
Ist bei uns gleich nebenan. Und um die wärs nich schade, um diese Spießer. Ick frag Zümpel "Und wie
Stellste dir det vor mit deine demokratische Rechte?" Er sagt: "Wir gehen uff die Straße, wir machen
Ne Demo." Na, Demo bin ick ja nu von Hause aus dagegen, ne. Da loofen dann überall Polizisten rum,
Die müssen ja irgendwie bezahlt werden, ne, das kost mein Steuergeld. Ick sag: "Zümpel, wollnwer
Da nich lieber'n Lampignonfest machen hier bei uns uffm Platz. Könnten wer'n bisschen grillen,
Abends vielleicht'n Feuerwerk und dazu stellen wir denn die Plakate uff mit unsere Forderungen. Zum
Beispiel: 'Fortschritt ja, aber nich bei uns!'" "Nee", sagt Zümpel, "das bringt nichts. Wir müssen an die
Öffentlichkeit, sonst hat das alles keinen Sinn." Ick sag: "Wat heißt hier Öffentlichkeit? Zu unsern
Lampignonfest da kann doch jeder öffentlich hinkommen. Da sieht er dann unsere Transparente, isst
Vielleicht ne Wurst und trinkt Freibier und denn steht er sowieso uff unsere Seite." "Nee", sagt er, das
Wär ja dann wie Bestechung. Und zu unsern Lampignonfesten, da kämen ja sowieso nur Mitglieder, die
Wüssten ja sowieso worums geht. Wir müssten hinaus und den Bürger wachrütteln. "Na ja", sag ick,
"aber wenn der Bürger sich nu jar nich wachrütteln lassen will? Ick könnt det vastehn, ick brauch ooch
Meinen Schlaf." Er sagt. "Wat sein muss, muss sein! Wir gehen in die City und zwar am Freitag
Nachmittag zur Rushhour!" Na der hat Nerven! Freitag Nachmittag! Da is bei mir in de Bäckerei ooch
Rushhour. Und da soll ick den Laden dicht machen? Nee also da geh ick bestimmt nich hin.
Na ja, nu andererseits könnte ooch meine Frau den Laden machen, dann könnt ick doch hingehn.
Aber neulich habick ma jelesen, wenn sich die Polizei uff den Demos rumtreibt, dann steigt
Schlagartig die allgemeine Kriminalität. Da stehick denn vielleicht uff der Straße und währenddessen
Brechen die mir in meine Laube ein. Ick mein, viel is ja nich drin aber schon alleen die Bohrmaschine
Und de Föhn von meine Frau - ja, meine Frau hatn Föhn inner Laube, ick weeß ooch nich warum.
Aber manchmal isset janz praktisch, ne, zum Beispiel letztet Jahr in dem verregneten Sommer, da hab
Ick immer die Stachelbeeren trocken geföhnt. Na ja, und det wär dann allet weg. Nee, also da geh ick
Nich hin.
Andererseits, wenn alle hingehen und ick geh nich hin, seh ick natürlich alt aus. Na ja, vielleicht
Brechen die ja auch woanders ein, bei Zümpel zum Beilspiel. Denn könnt ick doch hingehn. Aber:
Wenn sich jetzt so ein Chaot bei uns untermischt, braucht ja bloß einer zu sein. Der stellt sich genau
Neben mich, wirft einen Stein, taucht weg und die janze Hundertschaft Polizei fällt mit dem Knüppel
Über mich her. Sone Jemeinheit! Warum stellt sich der Chaot auch nich woanders hin. Zum Beispiel
Neben - naja, is doch wahr, der Zümpel hat doch det Janze anjezettelt. Also ick geh da nich hin. Wär
Ja der blanke Wahnsinn. Erstens hab ick den Verdienstausfall am Freitag Nachmittag, zweitens wird
Meine Laube ausgeplündert und zu juterletzt werd ick ooch noch zusammengeschlagen. Ick, der ick
Überhaupt nischt jejen Hochhäuser habe! Der Zümpel der kann mich mal mit seine demokratischen
Rechte! Ick nenne det Nötigung! Aber det habick ja gleich gesagt: Demokratische Rechte - da halt ick
Nischt von!

Written by:

Ulrich Roski