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​Die Legende Der Dirne Evelyn Roe

This song is by Tim Fischer and appears on the album Baby Boy (1999).

Original video
Als der Frühling kam und das Meer war blau
Da fand sie nimmer Ruh'
Da kam mit dem letzen Boot an Bord
Die junge Evlyn Roe!
Sie trug ein härenes Tuch auf dem Leib
Der schöner als irdisch war –
Sie trug kein and'res Gold und Geschmeid'
Als ihr wunderreiches Haar!

"Herr Kapitän, lass mich mit dir ins heil'ge Land fahr'n
Ich muss zu Jesus Christ!"
"Du sollst mitfahr'n, Weib, weil wir Narr'n
Und du so herrlich bist!"
"Er lohn's Euch! Ich bin nur ein arm' Weib
Mein' Seel' gehört dem Herrn Jesu Christ!"
"So gib uns deinen süßen Leib
Denn der Herr, den du liebst, kann das nimmermehr zahl'n
Weil er gestorben ist!"

Sie fuhren hin in Sonn' und Wind
Und liebten Evlyn Roe –
Sie aß ihr Brot und trank ihren Wein
Und weinte immer dazu!
Sie tanzten nachts, sie tanzten tags
Sie ließen das Steuern sein –
Evlyn Roe war so scheu und so weich
Sie waren härter als Stein!

Der Frühling ging – der Sommer schwand
Sie lief wohl nachts mit zerfetztem Schuh
Von Raa zu Raa und starrte ins Grau
Und suchte einen stillen Strand
Die arme Evlyn Roe!
Sie tanzte nachts, sie tanzte tags
Da ward sie wie ein Leichnam matt
Und vom Kapitän bis zum jüngsten Boy
Hatten sie alle satt!

Sie trug ein seiden' Gewand auf dem Leib
Der siech und voll Schwielen war
Und trug auf der entstellten Stirn
Ein schmutzzerwühltes Haar!
"Nie seh ich dich, Herr Jesus Christ
Mit meinem sündigen Leib –
Du darfst nicht geh'n zu einer Hur'
Und bin ein so arme' Weib!"

Sie lief wohl lang von Raa zu Raa
Und Herz und Fuß tat ihr weh
Sie ging wohl nachts, wenn's keiner sah –
Sie ging wohl nachts in die See!
Das war im kühlen Januar –
Sie schwamm einen weiten Weg hinauf
Und erst im März oder im April
Brechen die Blüten auf!

Sie ließ sich den dunklen Wellen
Und die wuschen sie weiß und rein –
Nun wird sie wohl vor dem Kapitän
Im heiligen Lande sein!
Als im Frühling sie in den Himmel kam
Schlug Petrus die Tür ihr zu:
“Gott hat mir gesagt: 'Ich will nit han
Die Dirne Evlyn Roe!'"

Doch als sie in die Hölle kam
Sie riegeln die Türen zu
Der Teufel schrie: "Ich will nit han
Die fromme Evlyn Roe!"
Da ging sie durch Wind und Sternenraum
Und wanderte immerzu –
Spätabends durchs Feld sah ich sie schon geh'n
Sie wankte oft, nie blieb sie steh'n
Die arme Evlyn Roe!
Die arme Evlyn Roe!

Music by:

Hans-Dieter Hosalla

Lyrics by:

Bertolt Brecht

Arrangement:

Thomas Dörschel Wikipedia16

Musicians:

  • Thomas Dörschel: grand piano
  • Hans Jehle: violin
  • Lars Burger: contrabass