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Leben

This song is by Rainhard Fendrich and appears on the album Ich Wollte Nie Einer Von Denen Sein (1981).

Eingerahmt von freundlichen Fachwerkhäusern wiegt sich die Vergangenheit auf holprigen Kopfsteinpflaster in Sicherheit
Hie und da riskiert die Sonne einen Strahl durch den gelben Industrienebel und zwingt den engen Gassen ein Lächeln ab
Der alte Dom protzt mit seiner Architektur, das Klicken der Fotoapparate scheint ihm zu gefallen
Die Parolen von Freiheit und Frieden an seinen Mauern sind schon etwas verwaschen, Regen und Mißachtung haben ihnen arg zugesetzt – man könnte sie etwas auffrischen

An den Straßenecken stehen Musikanten, unrasiert in Tennisschuhen und zupfen auf ihren buntbemalten Gitarren; sie sind geduldet
Der Kaffee schmeckt etwas dünn, und doch beginnt man sich zu freuen
Vergangenes wird beiseite geschoben, Vergessenes hervorgekramt, Zukünftiges verliert und Gegenwärtiges gewinnt an Bedeutung
die Tätigkeit eine Zigarette zu drehen und zu schauen befriedigt völlig
Gedanken dürfen frei herumhängen, und man bemerkt, daß man sehr viel versäumt hat
Es gehört eine Menge Mut dazu jung zu sein – hoffentlich haben wir genug davon denn, denn wir haben noch einiges vor

Noch haben wir die letzte Chance nicht versäumt, uns mit dem Leben zu versöhnen
Der alte Zwang zu der Enthaltsamkeit vergeht, mit jedem Lächeln, das wir nehmen
Wir können noch so viel bereuen, wir wollen weinen, wollen schrein
Der erste Schritt fällt uns vielleicht noch etwas schwer, doch kommen wir uns selbst entgegen
Man atmet leichter, und das Hirn fühlt sich nicht leer
Wir bluten rascher, doch das trennt uns von den Trägen

Die Zeit der Tugend kommt bestimmt, wenn wir verfault, vermodert sind
Wir wollen uns in jedem Schoß zuhause fühlen, der zärtlich Lust und Wärme hegt
Doch will uns lähmende Geborgenheit verhüllen, ist jede Leidenschaft dahin

Noch ist die Zeit, in der wir blühen und wachsen können, was schert uns Zucht und Sicherheit
Noch können wir uns die Vergänglichkeiten gönnen, zum Sterben bleibt uns sehr viel Zeit

Wir wollen uns noch rasch so viel von allem nehmen, wie wir zu tragen fähig sind
Wir müssen uns vor unsrem Gott bestimmt nicht schämen, denn um zu Leben waren wir bestimmt

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