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Straßenbahnballade

This song is by Konstantin Wecker and appears on the live album Ich lebe immer am Strand (1974) and on the live album Ich singe, weil ich ein Lied hab' - Live im Onkel Pö (1975).

Es ist schon wieder acht Uhr früh
Schon wieder diese Szenerie –
Es stinkt nach fast vergilbter Haut
Nach Achselhöhle und sehr laut
Und überdeutlich räuspern sich
Die Kränkelnden, fast weinerlich
Verstreun sie Viren in den Raum
Und dunklen Schleim. Ein böser Traum
Aus Blut und Mordgier schlängelt sich
Direkt ins Hirn und drängelt sich
Sehr unfein auf – man wartet schon
Voll Hoffnung auf die Endstation!

Es wird noch dauern. Zwischendrin
Trifft mich ein Kinderschuh am Kinn
Ich pack das Kind am rechten Arm
Und dreh ihn um – Ddem Kind wird warm
Die Mutter jammert im Falsett:
"Das find ich aber wirklich gar nicht nett! –
Also wirklich gar nicht!"
Und fährt mir, während sie noch spricht
Mit beiden Händen ins Gesicht!
Ich fass den Sprößling bei der Hand
Und werf ihn einfach an die Wand –
Die Mutter packt der nackte Hass
Das Kindchen röchelt und wird blass!

Da spuckt ein unbekannter Mann
Mich hustend und von hinten an
Ich dreh mich um und ramme ihm
Mein Knie ins Ohr, ganz ungestüm –
Es sagt mir treffend mein Instinkt
Dass irgendwer nach Knoblauch stinkt!
Das ist zuviel – ich greife blind
Irgendwohin, wo Gegner sind!
Ich treffe gut – ein altes Weib
Brüllt: "Hände weg vom Unterleib!"
Ein dicker Mann der Gattung Molch
Lallt irgendwas von Sittenstrolch!

Das ist der Auftakt. Wie ein Mann
Entfesselt sich die Tram
Hyänengleich und Mord im Blick!
Ich trete einen Schritt zurück –
Zu dumm – ich trete auf das Kind
Das gibt sein Seelchen auf geschwind!
Ich möchte flieh'n, doch voller Gier
Sind sie schon alle über mir
Und ihre Zähne bohren sich
Tief in mein Fleisch ganz widerlich!
Die Welt stürzt ein, die Erde grollt –
Die Trambahn aber rollt!

Written by:

Konstantin Wecker