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Lisbeth, Ich Komme

This song is by Jürgen von der Lippe and appears on the album Kenn'Se Den? (1982).

Ganz schön unbequem, so'n Sarg, also da ham se uns vielleicht wat angedreht!
Dabei war der noch zweihundert Mark teurer als die übliche DIN-Ausführung in Latschenkiefer!
Sagt der Verkäufer noch so: "In diesem Modell haben Sie auch eine ganz andere Ellenbogenfreiheit!
Von wegen, aber man steckt ja nich drin vorher – oder würden Sie vielleicht im Sarggeschäft Probe liegen?
Na sehen Sie! Und ich sag noch zu Lisbeth: "Lisbeth", sag ich, "willste mich nich lieber einäschern?"
"Nää", meint se, "Hubert, dann kannste doch gar nich bei mir spuken kommen!"
Und ich sag noch: "Nää, nää, Lisbeth, lass mal, nachher komm ich noch ungelegen!"

Aber manchmal würd ich gern nach ihr gucken –
Wär doch möglich, dat se sich'n bissken freut!
Und wenn nich, dann erschein ich halt ein andermal –
Wir Verblichenen ham ja sehr viel Zeit!

Tja, bei mir war ja, wie sagt man so schön, alle ärztliche Hilfe umsonst – Kassenpatient ebend!
Und ich sag noch: "Lisbeth", sag ich, "nich in dat evangelische Krankenhaus!"
Aber da hat schon keiner mehr auf mich gehört – die Schwester auch nich!
Lag ich da auf diesen Doppelzimmer und der Andere war furchtbar am Stöhnen
Und ich sag: "Schwester", sag ich, "hören Sie mal, wie der Mann sich aufführt –
So wat gehört doch in ein Sterbezimmer!" Da sagt die: "Dat is dat Sterbezimmer!"
Na ja, auf der anderen Seite auch mal angenehm, nich?
Kein Telefon, keine Blagen von nebenan, die klingeln und sagen:
"Onkel, du bist doch Dichter, kannste uns nich mal 'nen Entschuldigungszettel für die Schule schreiben?"
Und kein Herr in den besten Jahren, der sagt:
"Guten Tag, ich bin Student und muss mir mein Studium selber finanzieren –
Wollen Sie nicht eine Frauenzeitschrift abonnieren?"
Und da muss dann wat schiefgelaufen sein, kam statt Playboy Frau im Spiegel
Na ja, Lisbeth war begeistert!

Aber manchmal würd ich gern nach ihr gucken –
Wär doch möglich, dat se sich'n bissken freut!
Und wenn nich, dann erschein ich halt ein andermal –
Wir Verblichenen ham ja sehr viel Zeit!

Na, die letzten Tage war ich ja dann zu Hause, nich, aber von letzte Ruhe keine Spur
Schrie Lisbeth von nebenan: "Hubert, schreibt man Beerdigung mit einem oder zwei "e"?"
Unmöglich – so'n Wort kennt man doch! Und dann den Text von diese Einladung
Wollt se auch unbedingt, dat ich den selber Formuliere – albern! Is doch immer datselbe:
Nach lange, schwere Krankheit starb völlig unerwartet unser lieber Duzbruder, Ziehschwager, Nennonkel und wat nich alle! Dat ausgerechnet Riebschlägers Jupp, dat der auch eine kriegen sollte
Dat fand ich also schon ein bissken – ich meine, gut, ich war nich mehr der Jüngste
Bei mir war Weihnachten schon öfter zuletzt, und dann so eine junge, vitale Frau wie Lisbeth...
Na ja, da braucht se jetzt nich mehr zu warten, bis ich donnerstags abends außen Haus geh, zum Gesangsverein!
Dat heißt, dachte sie! Wissen Sie, wo ich wirklich war? Im Video-Club, Pornos gucken!
Jedenfalls so lange, bis ich erfuhr, dat der Dirigent von den Gesangsverein donnerstags abends
Immer wenn Riebschlägers Jupp schon weg war, dat der dann auch noch ankam!
Wat ich nur zu gerne wissen möchte, ob dat mit unsern Vikar und Lisbeth – ob dat stimmt!
Also, da würd ich gern mal Mäuschen spielen, da würde ich glatt ein paar Jahre hier von meines – Dingens von geben!
Moment mal
Moment mal
Dat geht ja!
Dat geht ja ganz leicht!
Lisbeth, ich komme!
Bin gleich da!

Written by:

Jürgen Dohrenkamp (i.e. Jürgen von der Lippe)

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