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​Vier Jahreszeiten

This song is by Gerhard Bronner and appears on the album Alles in Stereo - alles in Farbe (1970).

Original video
Eines Tages weckt dich ein besonders leises Lärmen
Und nach einem kurzen Blinzler, denkst du dir: "Aha!"
Vor dem Fenster tut sich was in aufgeregten Schwärmen
Das heißt, alle Vöglein sind schon da
Du machst kurz das Fenster auf und lässt den Mief entweichen
Auf den kahlen Bäumen sprießt ein ungewohntes Laub
Über deinem Tagesablauf steht ein Fragezeichen
Du holst einmal Luft und hast den Mund voll Blütenstaub
Dann ziehst du den Pyjama aus, hüpfst in geblumte Socken
Blickst in den Spiegel und kriegst einen Schreck
Was du dort siehst, das ist ein Graus, du schwörst dir unerschrocken:
Der ganze Winterspeck muss weg!

Wer denkt ans Frühstück? Man verschlingt Salat mit Blumen
Alles, was gut schmecken könnte, ist ab nun verpönt
Unaufhörlich kracht's in einem Magen
Und nach zwei, drei Tagen
Ist man an den Winterspeck gewöhnt
Alles ist jetzt wieder neuer
Neue Mädchen sind im Park
Dank der vielen Ostereier
Fühlt man sich so stark

Fort mit dicken Mänteln und mit langen Unterhosen
Setz dich in die Sonne, denn du bist ja viel zu blass
Lass dich von bequemen Strömen milder Luft umkosen
Bleich, so wie ein Emmenthaler Kaas
Da sitzt schon ein Dichter auf der Bank, die frisch gestrichen
Er steißt sich Reime auf den Lenz und die Natur
Eben ist der Wintersturm dem Wonnemond gewichen
Und schon stolpern Freiersfüße über Wald und Flur
Es treffen die ersten Störche ein, Kirchtürme sind besiedelt
Mahnen zur Vorsicht jedes junge Paar
Jeder will musikalisch sein, jodelt und singt und fiedelt
Und keiner achtet der Gefahr

Man besingt den Flieder
Und wird immer frühjahrsmüder
Herzinfark und Lustmord, sowie neue Steuern droh'n
Und wenn ich jetzt leichtfertig beschwingt reim'
Lenz, printems und springtime
Schweb ich auf dem Pegasus durchs Blütenmeer davon -
Nur der Gast, der spricht von Vorsaison

Man wird jetzt für Glück empfänglich
Jede Nacht ist ausgesternt
Man wär' so gern überschwenglich
Doch man gibt sich unverfänglich
Denn man hat vom letzen Lenz gelernt
Vom letzen Lenz gelernt
Vom Lenz gelernt


Wenn wir die Hitz nach Krügln nur noch messen
Dann ist's auch heuer wieder mal soweit
Wenn wir statt Gulasch Eiernockerln essen
Dann ist sie da, die Sommerszeit
Auf hohen Bergen sieht man sie jetzt wandern
Die es mit Halbschuh'n auf die Gipfel zieht
Und voller Neugier warten drunt die andern
Dass denen oben was geschieht

Schon kommen in Scharen
Teutonen bei uns angefahren
Speiskarten werden neu angeschafft
Dort findest du, böse
Statt Knödeln jetzt Klöße
Und dazu gibt's jetz Tunke statt Saft

Gern möcht' man jetzt in Eisvitrinen kauern
Mit einer Geisha ohne Kimono
Und mit ihr auf den nächsten Winter lauern
Doch deine Frau
Die will genau
So wie letzte Jahr nach Jesolo

Es ist Sommer
Und man sollte was tun
Anstatt zu ruh'n
Doch man erschlafft
Man ist im Sommer
Gegen Arbeit immun
Der Urlaub kostet vielzuviel Kraft

Du möchtest dich auf grünen Wiesen wälzen
Mit einer kühlen Blonden im Trikot
Doch du musst über heißes Pflaster stelzen -
Die Blonde wälzt sich anderswo
Man stiehlt im Park die Rosen, die jetzt blühen
Stört im Gebüsch manch Libespaar dabei
Und weil die Beamten in den Hosen glühen
Haben die Ämter Hitzefrei

Flora und Fauna
Sind matt, so wie nach einer Sauna
Wehmutsvoll fällt es dir ein
Wie angenehm kühl es war
Damals im Januar -
So schön wird's nie wieder sein

Du transpirierst dich durch das Gänsehäufel
Ein fremder Bauch quetscht dir den Atem ab
Wem dieser Fuß gehört, das weiß der Teufel
Du möchtest schrei'n:
"Lass mich allein!"
Doch für Proteste bist du viel zu schlapp

Es ist Sommer
Und der Grubenhund bellt
Schön wär die Welt
Hätt' man mehr Zeit
Für diesen Sommer
Und kaum ist er vorbei
Dann tut es uns noch jedes Jahr leid
Dass man Böses über ihn gesagt hat

Schon im September kann man's nicht versteh'n
Dass man so blöd war, dass man es gewagt hat
Nüchtern und kühl
Ohne Gefühl
Durch den Sommer zu geh'n
Durch den Sommer zu geh'n
Durch den Sommer zu geh'n


Der Herbst ist da, es lässt sich nicht vermeiden
Man macht jetzt wieder heftig in Kultur
Die allerletzten Sommergäste scheiden
So wie die Schäflein nach der Schur
Nicht nur in Bäumen trocknen jetzt die Säfte
Man kann mitunter nicht so wie man möcht'
Die Ofensetzter machen jetzt Geschäfte
Und auch dem Friedhofswärter geht's nicht schlecht
Italiens Bräune ist hinweggeschwunden
Ein wenig Sand im Reisenecessaire
Erinnert dich noch an frivole Stunden
Das Treppensteigen fällt auf einmal schwer
Die Seele kriegt jetzt plötzlich Stoppelhaare
Das Innenleben ist total zerwühlt
Und selbst die obligaten Liebespaare
Seh'n so aus, als wären sie verkühlt

Es herbstelt, es herbstelt
Man sieht bei Mädchen nicht mehr die Figur
Es herbstelt, es herbstelt
Viel schneller geht die Uhr!

Das Laub geht weg, man sieht bald in die Kammer
Der Nachbarschaft ganz ohne jede Müh'
Und kennt bis Anfang Mai zu seinem Jammer
Ihr Innenlebenn, sowie ihr Menü
Auf dem Parkett, da sind die Kerzenflecken
Vom letzten Jahr noch immer nicht weggekratzt
Es wird Zeit mit Friehofsschmuck sich einzudecken
Was an Laune da war, ist verpatzt
Man stolpert trübe über Herbstzeitlosen
Maronibrater steh'n für kargen Lohn
Du greifst diskret zu warmen Unterhosen
Zu spät - der Grippevirus scheuzt dich schon!
Die Herbstannoncen in der Zeitung locken
Was plant man alles - ach, du lieber Gott!
Am Ende bleibt man doch zu Hause hocken
Und schlägt mit Schlapfen matte Fliegen tot

Es herbstelt, es herbstelt
Mir tut's nur um den kurzen Sommer leid
Es herbstelt, es herbstelt
So schnell vergeht die Zeit!

Jedes Jahr, wenn unter Zeitungsbildern
Unverhöfft ein Satz wie dieser dräut:
'Man kann's wirklich nur so schildern
Unsre Landschaft ist mit Zuckerguss bestreut!'
Dann putz schleunigst deine Ofenrohre
Hol den Mantel aus dem Naphthalin
Meide Küsse vor dem Gartentore
Halte Disziplin
Denk an Morgen, kontrolliere deine Thermophore
Kauf dir Aspirin

Denn jetzt ist
Ah, ah, ah
Der liebe alte Winter da
Eh, eh, eh
Er bringt uns manch' Klischee

Jedes Jahr um diese Zeit wird alles teuer
Schulden werden teils gemacht, teils abgebüßt
Kaum, dass es einmal schneit, gibt's keine Eier
Pleitegeier
Sei gegrüßt!
Wer im Glashaus sitzt verkauft jetzt noch Gemüse
Eisgeschäfte werden Bildergalerien
Kraftfahrer, dir bleibt nichts erspart
Zittre an jedem Morgen vorm Start
Ob der Kübel noch noch anspringt, wenn ja
Ob nicht dein Kühler voll eisiger Würfel ist
Weil du jedes Jahr
Auf den Frostschutz vergisst
Die Gemeinde bestreut jetzt allen Autos mit würzigem Salz den Pfad
Was den Blechsalat
So versüßt

Wozu soll man jetzt die Lande noch durchmessen?
Jede Landshaft ist doch eh völlig verschneit
Du brauchst Kalorien, darum musst du viel essen
Bleib sittsam zu Haus', sei gescheit
Genieß, wie die Leut sich am Glatteis derstößen
'S ist Winterszeit!
Christbaumhändler woll'n jetzt Geld verdienen
Fichten haben kurze Konjunktur
Wo die wuchsen, gibt's demnächst Lawinen
Dann sprich man vom Wüten der Natur
Wintersportler, die der Stadt entwichen
Weichen emsig den Lawinen aus
Profifahrer kriegen für meisterlichen Abfahrtslauf Applaus
Doch der Amateur befass sich mehr mit Knochenbrüchen
Und foahrt bald nach Haus'

Dan hat man
Gie, gie, gie
Den Gips vom Knöchel bis zum Knie
Oh, oh, oh
Aus Schaden wird man froh

Um die Zeit gibt's im Betrieb auch eine Feier
Eigentlich hat keiner Lust, dorthin zu geh'n
Doch weil man die Kosten absetzt von der Steuer
Sagt man:"Heuer
War es schön!"
Um die Jahreszeit ist weiß jeder Papierkorb
Schnupfentaschetücher füll'n ihn bis zum Rand
Und uns're liebe Bundesbahn
Komm jetzt nur mit Verspätung noch an
Wenn sie überhaupt ankommt
Wenn jetzt etwas nicht klappt, liegt die Schuld bei der Winterszeit
Die hat man als Ausrede ständig bereit
Ganz egal, was passiert ist, es ist einfacher, wenn man die Ausred' glaubt
Auch wen's überhaupt-
Garnicht schneit

Manchmal aber kann es schön sein auch im Winter
Wenn dein Kind an einem Schneemann sich erfreut
Die Luft ist dann klar und sie schmeckt viel gesünder
Selbst wenn dir ein Schnupfen gedeiht
Das ist dir dann wurscht, du beneidest die Kinder
Zur wunderschönen Winterszeit

Music by:

Gerhard Bronner

Lyrics by:

Gerhard Bronner & Ferdinand Hirschmann