FANDOM

1,927,750 Pages

StarIconBronze
LangIcon
​Die Fichte

This song is by Gerhard Bronner and appears on the compilation album Das Gerhard Bronner Song Book (2002).

Es sitzen zwei Herren in einem Café
Und spielen dort Rummy zu zweit
Da sagt plötzlich einer: "Mein Freunderl, ich seh'
Der Jolly, der wohnt bei dir heut'
Dein Mischen, dein Teilen, dein abheben gar
Und dann noch das Klopfen am Schluss -
Je länger ich spiel', desto mehr wird mir klar
Dass ich bei dir aufpassen muss!"

Sie schimpfen, sie streiten, sie lärmen, sie schrei'n
Da, plötzlich im wildesten Grimm
Erhebt sich der Erste vom Tische allein
Und ruft mit pathetischer Stimm':
"Du hast mich bemogelt, begaunert beim Spiel'n
Und das find' ich mehr als gemein
Drum wünsch' ich dir jetzt - und das mög' sich erfüll'n -
Du sollst eine Fichte sein!"

"Warum eine Fichte?" fragt der Andere darauf
"Warum?", schreit der Erste: "Warum? Ph, pass gut auf!
Als Fichte, da stehst du dann oben im Wald
Am Tag ist dir heiß, in der Nacht ist dir kalt
Es beutelt der Wind dich, es druckt dich der Schnee
Du stehst und du stehst, tun die Haxn auch weh
Und beißt dich dann etwas sogar in die Wadln
Dann hast du zum Kratzen nur spitzige Nadeln
Am Schluß schneid't ein Liebespaar seine Monogramm
Dir noch in den Bauch, ich mein', in den Stamm
Doch das wär' das Ärgste noch nicht
Denn jetzt fängt erst an die Geschicht'

So stehst du und stehst du und langweilst dich sehr
Da kommen auf einmal drei Manderln daher
Die haben eine Säge, ein Beil und einen Strick
Die hau´n dir vor allem das Beil ins Genick
Sie sägen, sie schneiden, vor Schmerz dir das Herz steht
Dann hacken sie weg, was von dir dann so wegsteht
Dann zieh'n sie in Streifen die Rinde dir ab
Und stoßen dich nackt übers Bergerl hinab
Das das wär' das Ärgste noch nicht
Denn jetzt fängt erst an die Geschicht'

Nun wirst du zerrieben, zerstoßen, zermahlen
Leidest dabei ganz entsetzliche Qualen
Weil neben dir schon ein siedender Leim winkt
Man taucht dich da ein, und es pickt und es stinkt
Nun falzt man und walzt man und spannt man an dir
Und endlich, jetzt bist du ein Zeitungspapier
Als Zeitungspapier man zur Presse dich schickt
Dort druckt man dir drauf, was es Neues heut gibt
Doch das wär´ das Ärgste noch nicht
Denn jetzt fängt erst an die Geschicht'

Die Zeitung, die kauf' ich und nehm' ich nach Haus'
Dann zieh' ich meinen Anzug mir aus
Schneid' die Annoncen heraus mir dann nett
Zum Schluss nimmt die Großmutter dich mit noch ins Bett
Da kommt mit der Schere die Köchin Marie
Schneid't dich so in Stückerl - du weißt ja schon, wie!
Uund sie tragt auf einen Raum dich, der hat was für sich
Dort auf dem Raum wart' ein Nagerl auf dich
Doch das wär´ das Ärgste noch nicht
Denn jetzt fängt erst an die Geschicht'

Am Nagerl, da hängst du mit traurigem Blick
Und ahnst so beiläufig dein neues Geschick
Nun komm' rein ich behaglich und munter
Und reiß' vom Nagerl dich zitzerlweis' runter
Ich sing' und ich spring' und ich freu' mich und lach'
Denn du musst doch dulden, was ich mit dir mach'
Und darum mein Lieber, jetzt siehst du's doch ein
Warum ich dir wünsch', eine Fichte zu sein!"

Music by:

Theodor Wottitz Wikipedia16

Lyrics by:

Hugo Wiener Wikipedia16